Geschichte von Kalterherberg - Zukunftswerkstatt Kalterherberg

Zukunftswerkstatt
Monschau-Kalterherberg / Eifel / NRW
Kalterherberg
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Geschichte von Kalterherberg

Projekte > 2016-2017

17. November 2017
Film und Lichtbildvortrag über die Geschichte des Dorfes Kalterherberg / Von den Kelten bis zur Gegenwart

Vorsitzender Jochen Leyendecker führte zu Beginn der Veranstaltung die Begrüßung durch und wies dabei auch auf die Arbeit und die Projekte der Zukunftswerkstatt hin.


In Zusammenarbeit mit dem Heimatkundler und aktivem Vereinsmitglied Berthold Thoma veranstaltete die Zukunftswerkstatt Kalterherberg einen öffentlichen Film- und Lichtbildvortrag über die Geschichte von Kalterherberg von der Antike bis zur Gegenwart. Die Dorfbevölkerung nahm diese Einladung sehr gerne an. Mehr als 130 Leute aller Altersgruppen waren erschienen und füllten den Saal im Hotel Hirsch bis auf den wörtlich allerletzten Platz.
Berthold Thoma vermittelte sehr anschaulich und interessant Aufschlüsse:

  • Über die in unmittelbarer Nähe zum Ort verlaufende Kupferstraße aus den Aachener und Stolberger Metallverhüttungsbetrieben in den französischen und südeuropäischen Raum sind im Laufe der Zeit immer neue Einflüsse in das Dorf gelangt.  
  • Der oft gegen die Eifeldörfer erhobene Vorwurf, dort habe sich Inzucht gebildet, konnte anhand von Fakten für den Ort Kalterherberg widerlegt werden.
  • Kalterherberg ist ohne Zuwanderung nicht denkbar und im Laufe der Geschichte sind Einwanderer aus den Nachbardörfern, fernen deutschen Landschaften, Frankreich, Belgien, Italien und sogar Russland in das Dorf am Hohen Venn gelangt, haben sich hier niedergelassen und in die Dorfgemeinschaft eingebracht

Herkunft vieler bekannter Familiennamen
Die Kalterherberger hatten im Jahr 1750 einen Streit mit den Mönchen aus Reichenstein auszutragen, im Laufe des Prozesses wurden alle Männer des Dorfes zur Sachlage befragt und auf einer Liste erfasst. Aus den Gerichtsakten konnte man diese Liste der damals im Dorf ansässigen Familien entnehmen und diese Kalterherberger Urnamen aufzeigen. Die Namensliste stieß auf großes Interesse, weil die meisten der dort aufgeführten Familien immer noch im Dorf ansässig sind und sich somit als Urgestein des Dorfes, sozusagen als Kalterherberger Landadel, ansehen können.

Kalterherberger Platt
Kalterherberger Platt ist überhaupt kein Buch mit sieben Siegeln, seine Grundlagen und Entwicklung sind die Folge der örtlichen Gegebenheiten des Straßendorfes Kalterherberg. Die Leute aus dem Unterdorf fanden mehrheitlich eine brotgebende Arbeit in den nahen Monschauer Fabriken, kamen dabei mit den Leuten aus den Nachbardörfern in Kontakt und näherten sich deren Mundarten an, während die Menschen im Oberdorf sich wegen der weiteren Entfernung nach Monschau mehrheitlich der Landwirtschaft widmeten und auf ihren Weidgängen mit den Leuten aus Elsenborn und Nidrum in Kontakt kamen. Dadurch flossen einige Ausdrücke aus dem dort gesprochenen Moselfränkischen in das Kalterherberger Platt. Hier heiratet man nicht, man “bestaat“ sich.

Die große Geldinflation
Die totale Geldinflation im Jahre 1923 brachte die meisten Menschen um ihr gesamtes Geldvermögen. Weil aber viele Kalterherberger bei der „Vennbahn“, der belgischen Staatsbahn, beschäftigt waren und ihren Lohn im damals sehr stabilen belgischen Franc erhielten, konnten sie aus ihren laufenden Einkünften sogar ein neues Haus bauen und es sich auch sonst recht gut gehen lassen.

Die Wirren der Kriegszeiten
Filmmaterial aus amerikanischen und englischen Wochenschauen zeigte, wie die Kalterherberger am 08. Oktober 1944 von der US-Army an der Kirche auf Armeelastwagen geladen und nach Malmedy in die Kaserne transportiert wurden. Die Filme mussten einige Male angehalten werden, die Zuschauer erkannten auf der Leinwand altbekannte Kalterherberger wieder. Erste Vermutungen zur Identität der im Film gezeigten Menschen wurden geäußert und wenn die Mehrheit diese Vermutung bestätigen konnte, hatte man wieder eine neue Entdeckung gemacht. Der Kaffeeschmuggel in der Nachkriegszeit war in Kalterherberg auch zu Hause, doch das Pflücken und der Handel mit den Narzissen aus der fernen und nahen Umgebung hat einen wesentlich längeren und größeren Umfang eingenommen. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach den beiden Weltkriegen hat die Gemeindeverwaltung es immer verstanden, im Rahmen ihrer Möglichkeiten für Arbeit im Dorf zu sorgen. So wurde nach dem zweiten Weltkrieg das große Rodungsprojekt im Nordosten des Dorfes umgesetzt.

Die "Ochsen"
Zum Abschluss der Veranstaltung trug Erwin Lennartz noch ein Gedicht über das Thema “Warum man uns Ochsen nennt“ vor und hatte die Lacher voll auf seiner Seite.

Film- u. Lichtbildvortrag 1
Film- u. Lichtbildvortrag 2

Fazit: Die kostenfreie Veranstaltung fand mit mehr als 130 Besuchern eine unerwartet hohe Resonanz und ist sicher eine Wiederholung wert. Voraussichtlich Mitte Januar 2018 wird Berthold Thoma den Vortrag im großen Saal des Hotels Hirsch nochmals anbieten. Der konkrete Termin wird dann frühzeitig an dieser Stelle bekannt geben


Pressebericht -  EZ/EN, Ausgabe vom 13.12.2017 - Lokales


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